Wissenschaft und Medizin – leicht erklärt!

Mein Bauch tut weh!

CategorIes: NÜTZLICHE hINWEISE ZUR eRNÄHRUNG

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Sicherlich ist die Abklärung von Bauchschmerzen einer der häufigsten Vorstellungsgründe in meiner Sprechstunde – nicht wirklich überraschend!

Vor wenigen Wochen begleitete mich eine junge Assistentin. Im Terminkalender standen 4 Kinder hintereinander mit „Bauchschmerzen zur Abklärung“. Direkt von der Stirn der Kollegin ablesbar war „LANGWEILIG“. Nach diesem Vormittag fand sie das nicht mehr.

Alle 4 Kinder hatten völlig unterschiedliche Probleme. 

Bauchschmerzen gehören zu den häufigsten Beschwerden im Kindesalter, sehr viele treten nur vorübergehend auf und sind harmlos.

Die erste Unterscheidung ist, ob der Schmerz plötzlich auftritt und mit anderen Beschwerden kombiniert ist.

Lokalisierter Druckschmerz im Unter- oder Oberbauch (mit Abstand zum Bauchnabel), vielleicht sogar kombiniert mit Durchfall, Erbrechen oder Fieber, sollte zügig abgeklärt werden. Erkrankungen wie eine Magen-Darm-Grippe können diese Beschwerden hervorrufen, aber natürlich auch eine Blinddarmentzündung,  Magen-Schleimhaut-Entzündung, Blasenentzündung, Nieren- oder Gallensteine oder manchmal auch Entzündungen an einer anderen Stelle des Körpers könnten ursächlich sein. Völlig unterschiedliche Krankheitsbilder (auf die ich z.T. an anderer Stelle noch mal eingehen werde!).

Bestehen die Bauchschmerzen länger als 2 Monate, dann spricht man von chronischen Bauchschmerzen. Auch dieses sollte unbedingt ärztlich abgeklärt werden.

Stutzig machen sollten hier weitere Beschwerden:

  • Schmerzen in Zusammenhang mit einer Transitstörung (z.B. Verstopfung, Durchfall, nächtlicher Stuhlgang)
  • Nächtliches Erwachen infolge von Schmerzen
  • Zusätzliches Erbrechen oder Nüchtern-Erbrechen ( vor allem morgens nach dem Aufstehen)
  • Symptome wie: immer wiederkehrendes Fieber, Abgeschlagenheit, ausgeprägte Müdigkeit
  • Gewichtsverlust oder Abflachung der Wachstums- und /oder Gewichtskurve
  • Deutliche Vorwölbung des Bauches
  • Veränderungen am After wie Einrisse oder Fistelbildungen
  • Blut im Stuhl
  • zusätzliche Hautentzündungen und/oder Gelenksveränderungen
  • Aphtöse Veränderungen im Mund-/Rachenbereich

Unterschiedliches Alter – unterschiedliche Ursachen

Ein schreiender Säugling mit geblähtem Bauch, gerade in den ersten Lebensmonaten mit Beschwerden, die meistens zu der gleichen Tageszeit (leider meistens nachts) auftreten – viele Eltern ist das bekannt. Es handelt sich häufig um Dreimonatskoliken. Bauchschmerzen, Fieber, Durchfall und Erbrechen sind häufige Erkrankungen von Kleinkindern, die sogenannte Gastroenteritis. Viele Viren und einige Bakterien können eine Durchfallerkrankung auslösen. Bauchschmerzen und Erbrechen können ebenso auf eine Blaseninfektion hinweisen, besonders, wenn das Kind zusätzlich viel oder besonders wenig Urin lässt. Je älter dein Kind wird, um so seltener treten diese Erkrankungen auf.

Verstopfung ist häufig bei Kleinkindern zu finden und kann erhebliche Beschwerden verursachen.

Nahrungsmittelunverträglichkeiten können bereits sehr früh auftreten, aber auch erst wenn die Kinder älter werden, das gilt auch für Nahrungsmittelallergien.

Die Unverträglichkeit von Getreideprodukten (Zöliakie) kann erst nach Einführung von Getreide in der Beikost beginnen.

Bei älteren Kindern und Jugendlichen können Blinddarmentzündungen, Darmentzündungen, eine Bauchspeicheldrüsenentzündung oder Gallensteine auftreten. Tatsächlich handelt es sich hierbei eher um seltene Krankheitsbilder.

Viele Jugendliche klagen über Oberbauchbeschwerden oder Magenschmerzen.

Bei Mädchen können zusätzlich die Regelblutung Schmerzen auslösen, und Beschwerden von den Eierstöcken oder einer Endometriose ausgehen.

Und wenn man keine Ursache findet?

Viele Kinder mit häufig wiederkehrenden Bauchschmerzen haben keine organische Ursache für ihre Beschwerden.

Sie bilden sich die Schmerzen nicht ein oder erfinden sie (das gibt es natürlich auch mal). Eine psychische Störung ist ebenfalls nicht ursächlich, sondern eine besondere Empfindlichkeit für Darmbewegungen, eine Übererregbarkeit der Schmerzfasern des Darms oder eine Reizung der Darmwand. Medizinerinnen und Mediziner sprechen dann von funktionellen Bauchschmerzen oder vom Reizdarmsyndrom.

Manche Menschen reagieren auch auf Stresssituationen wie Aufregung, Angst, Ärger, aber auch freudige Erregung mit einer verstärkten Darmbewegung. Diese wird als Bauchschmerzen erlebt, es kann sogar vorkommen, dass der Stuhl weicher wird, so wie beim Durchfall.

Es gibt also nicht DEN Bauchschmerz und dabei habe ich nicht einmal alle möglichen Ursachen aufgezählt!

Die Botschaft ist:

1: keine schmerzstillenden Zäpfchen, Tabletten oder Säfte ohne eine klare Diagnose der Kinder- und Jugendärztin bzw. des Hausarztes

2: unbedingt den Kinder- und Jugendarzt bzw. die Hausärztin aufsuchen, wenn folgende Warnsymptome auftreten:

  • wiederkehrende Bauchschmerzen an derselben Stelle fern vom Bauchnabel
  • nächtliches Aufwachen wegen Bauchschmerzen
  • kolikartige Bauchschmerzen, wellenförmig, mit Schweißausbruch
  • Beschwerden beim Wasserlassen
  • anhaltende oder häufige Durchfälle über eine Dauer von mehr als 4 Wochen
  • gestörtes Trink- und Essverhalten bei anhaltendem Erbrechen oder Durchfall
  • Blut im Stuhl, wiederholtes Erbrechen, Blutfäden oder grüner Gallensaft im Erbrochenen, Bluterbrechen
  • deutliche Gewichtsabnahme, fehlende Gewichtszunahme oder Wachstumsstillstand
  • wiederkehrendes Fieber

Zu einzelnen erwähnten Diagnosen werden Beiträge folgen! Schau gerne wieder vorbei 🙂

Quelle:

Titelbild erstellt mit ChatGPT

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