Eine Laktoseintoleranz (Milchzuckerunverträglichkeit) ist keine Allergie, streng genommen nicht einmal eine Erkrankung.
Säuglinge und Kleinkinder benötigen eine Ernährung mit Milch, aber bereits Kinder und Jugendliche eigentlich nicht mehr. Der Mensch ist übrigens das einzige Säugetier, das nach der Säuglingszeit noch Milch zu sich nimmt.
Weltweit sind heute etwa zwei Drittel der Erwachsenen laktoseintolerant. Man geht davon aus, dass vor etwa 5000 Jahren nahezu alle Erwachsene der Milch gegenüber intolerant waren. Schaut man sich die Erdkugel an, so sind die Menschen, die Laktose vertragen, ungleich verteilt. Denn die Fähigkeit, Milchzucker auch im Erwachsenenalter weiterhin verarbeiten zu können, hat sich in der Geschichte nur in vereinzelten Regionen der Welt etabliert. Vor allem in Nordeuropa ist diese sogenannte Laktasepersistenz heute besonders verbreitet. In Deutschland vertragen etwa 85 Prozent der Erwachsenen Milchzucker, in einigen Regionen Ostasiens hingegen nur maximal 10 Prozent. Je weiter süd-östlich die Vorfahren beheimatet waren, desto höher ist die Wahrscheinlichkeit, dass eine Milchzuckerunverträglichkeit vorliegt. In Griechenland und der Türkei geht man von einer Intoleranz gegenüber Milchzucker von etwa 50 Prozent aus, in Dänemark von gerade mal 5 Prozent.

https://www.rhetos.de/html/lex/laktoseintoleranz_nach_regionen.htm
Die Ursache für die Laktoseintoleranz ist also genetisch bedingt und tritt häufig zu Beginn des Schulalters auf. Man spricht von einer primären Laktoseintoleranz. Sie besteht ein Leben lang.
Eine Laktoseunverträglichkeit muss aber nicht nur genetisch bedingt sein, sondern Erkrankungen wie z.B. Zöliakie oder Morbus Crohn können zu einer sekundären Laktoseintoleranz führen, die unabhängig vom Laktase-Genotyp entsteht. Bei diesen Formen der Laktoseunverträglichkeit ist eine gestörte Laktase-Abgabe aus dem geschädigten Darmepithel ursächlich für die Symptome. Diese Form der Milchzuckerunverträglichkeit besteht nicht ein Leben lang, sondern ist abhängig von der Heilung des erkrankten Darmabschnittes.
Was ist eigentlich Laktose (Milchzucker)?
Die Milch von Säugetieren enthält einen hohen Anteil an Zucker (Milchzucker = Laktose). In der Natur gibt es verschiedene Zuckerarten, die alle aus Kohlenstoffatomen bestehen und sich meist in Ringform zu einer Einheit zusammenschließen. Diese Einheiten können als Einfachzucker (Monosaccharide), Zweifachzucker (Disaccharide) oder Mehrfachzucker (Polysaccharide) auftreten. Laktose ist ein Zweifachzucker, das aus den beiden Einfachzuckern Galaktose (Schleimzucker) und Glukose (Traubenzucker) besteht.
Laktose wird im Darm gespalten
Laktose wird in unserem Darm vom Enzym Laktase in zwei Einzelzucker gespalten, denn nur diese Einzelzucker können über die Dünndarmwand in unseren Blutkreislauf aufgenommen werden. Ist dieses Enzym Laktase zu wenig vorhanden bzw. funktioniert es nicht richtig, spricht man von einer Laktoseintoleranz.
Warum entstehen Probleme bei fehlender Laktosespaltung?
Wird der Milchzucker nicht in seine 2 Einzelzucker aufgespalten und vom Dünndarm aufgenommen, gelangt es intakt in den Dickdarm. Die dort lebenden Bakterien „ernähren“ sich dann von diesem Zucker und wandeln ihn in organische Säuren, Wasserstoff und Kohlendioxid um. Durch diese Abbauprodukte können Beschwerden entstehen – Blähungen, Bauchschmerzen, Durchfall oder Verstopfung.
Die Blähungen und Bauchschmerzen entstehen durch die Gase, die von den Bakterien im Dickdarm beim Zersetzen des unverdauten Milchzuckers produziert werden.
Die Abfallstoffe Milch- und Fettsäuren wirken „wasserziehend“. Dadurch strömt vermehrt Flüssigkeit in den Darm ein und erzeugt Durchfall.
Es kann aber auch eine Verstopfung auftreten und zwar dann, wenn bei der bakteriellen Laktosezersetzung überwiegend Methan produziert wird. Dieses Gas verlangsamt die Darmtätigkeit und löst so Darmträgheit aus.
Die normale Dauer des Nahrungstransports durch den Dünndarm ist bei jedem Menschen individuell unterschiedlich und variiert ungefähr zwischen einer und sechs Stunden. Dementsprechend dauert es auch unterschiedlich lang, bis nach einer laktosehaltigen Mahlzeit Laktoseintoleranz-Symptome auftreten. Direkt nach oder sogar noch bei der Nahrungsaufnahme kann es aber deshalb nicht sofort zu Bauchschmerzen kommen! Auch nimmt jeder Mensch die Dehnung des Dickdarms durch die entstehenden Gase unterschiedlich war. Einige Betroffenen bemerken es gar nichts, andere spüren Schmerzen oder leiden unter dem erhöhten Gasabgang.
Empfehlungen bei einer Laktoseintoleranz
Es gibt eine individuelle Verträglichkeitsschwelle für Milchzucker. Die Betroffenen müssen also in den meisten Fällen nicht vollständig auf Milch- und Milchprodukte verzichten, aber den Konsum deutlich reduzieren. In frischer Milch und Sahne ist der Milchzuckeranteil hoch. Häufig besser vertragen werden Sauermilchprodukte (wie Joghurt oder Kefir). Sie enthalten zwar relativ viel Milchzucker, aber ebenfalls reichlich enthaltene Milchsäurebakterien – diese können im Darm größere Mengen Milchzucker eigenständig abbauen.
Letztendlich muss ausprobiert werden, welche Menge an Laktose gut vertragen wird bzw. ab wann Beschwerden auftreten.
Laktosefreie Produkte stehen mittlerweile in großer Anzahl zur Verfügung.
Auch kann durch die Einnahme von Laktase zur Mahlzeit die Verträglichkeit verbessert werden. Kennt man ungefähr die individuelle Verträglichkeitsschwelle, ist diese Einnahme aber meistens nicht erforderlich.
Kann man testen, ob eine Laktoseintoleranz vorliegt?
Auslassversuch: Natürlich kann man einfach mal für 1 – 2 Wochen vollständig auf Milch und Milchprodukte verzichten und so prüfen, ob die Beschwerden nachlassen bzw. ganz aufhören.
Atemtest: Zur endgültigen Bestätigung kann ein Wasserstoffatemtest (= H2-Atemtest ) durchgeführt werden. Dabei wird vor und nach dem Trinken einer definierten Milchzuckerlösung der Wasserstoffgehalt in der Ausatemluft gemessen. Steigt der Wasserstoffanteil in der ausgeatmeten Luft im Testverlauf an, deutet das auf eine Laktoseintoleranz hin. Der Wasserstoff wird von den Dickdarmbakterien bei der Zersetzung von Laktose gebildet (s.o.) und über die Ausatemluft ausgeschieden.
Blutzuckertest: Nach dem Trinken einer definierten Milchzuckermenge kann auch der Blutzucker bestimmt werden. Bei Menschen, die Milchzucker vertragen, steigt nach der Aufnahme von Milchzucker der Glukosegehalt im Blut an. Dieser Test ist eine mögliche Alternative zum Atemtest, allerdings ist er ungenauer, als der Atemtest. Auch kann er z.B. bei Diabetikern nicht durchgeführt werden.
Gentest: Ein Gentest kann zwischen der primären und der sekundären Laktoseintoleranz unterscheiden. Als Suchtest, ob überhaupt eine Laktoseintoleranz vorliegt ist er hingegen nicht geeignet.
Quellen:
Stryer, L., Biochemie, Specktrum Akademischer Verlag, 4. Auflage
https://nationalgeographic.de/geschichte-und-kultur/2022/08/warum-wir-heute-milch-vertragen

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