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Wenn das große Geschäft zur Qual wird

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Teil 1: Definition und Ursache

Die chronische Obstipation gehört mit zu den häufigsten Gesundheitsstörungen in Deutschland. Da dadurch die Lebensqualität sowohl bei Kindern, als auch bei Erwachsenen sehr eingeschränkt ist, beschäftigen sich viele Fachgruppen innerhalb der Medizin und der Ernährungswissenschaft mit diesem Thema. Es gibt verschiedene Leitlinien, die immer wieder aktualisiert werden. Da sich die Ursachen der Verstopfung bei Kindern und Erwachsenen unterscheiden, gibt es hier sogar unterschiedliche Leitlinien und Empfehlungen.

Ich gehe zunächst auf die Verstopfung bei Kindern ein. Da mittlerweile auch viele Jugendliche mit dieser Problematik meine Sprechstunde aufsuchen, werde ich hierzu einen gesonderten Artikel verfassen.

Zunächst die gute Nachricht:

Nur bei 5% aller Kinder, die nach dem Säuglingsalter eine Verstopfung entwickeln, liegt eine organische Ursache vor. Bei 95% der Fälle spricht man von funktioneller Obstipation.

Für eine exakte Diagnose ist das Mindestalter, eine Mindestdauer der Beschwerden, die Stuhlfrequenz und Ausprägung der Symptomatik entscheidend. Im  Kindesalter ist eine große Variabilität in der Häufigkeit der Darmentleerung vorhanden. Die normale Stuhlfrequenz ist von Ernährung, Flüssigkeitszufuhr und Bewegung, besonders aber vom Alter des Kindes abhängig. Insbesondere bei ausschließlich mit Muttermilch ernährten Säuglingen liegt der Normalbereich der Darmentleerungsfrequenz zwischen 8 Entleerungen pro Tag und einer Entleerung pro 14 Tage.

Die funktionelle Obstipation ist eine übergeordnete Störung, die mit bzw. ohne Stuhlinkontinenz  (der Stuhl wird ohne Willen, meist in die Hose, abgesetzt) vorkommen kann.

Da die Stuhlinkontinenz ebenfalls ein größeres Thema in meiner Sprechstunde ist, widme ich diesem einen eigenen Beitrag.

Eine chronische Obstipation wird ab einer Dauer von einem Monat definiert. Eine akute Obstipation dauert weniger als einen Monat an. Diese Zeitgrenze sollte aber auf keinen Fall die Einleitung einer konsequenten Therapie verzögern.  Auch eine akute Verstopfung erfordert eine rasche, effektive Behandlung, weil damit das Risiko einer Chronifizierung (Übergang von einem akuten in einen dauerhaften Zustand) vermindert werden kann.

Von einer chronischen Verstopfung spricht man, wenn zwei oder weniger Stuhlausscheidungen (=  Defäkationen) in die Toilette pro Woche erfolgen, eine Stuhlinkontinenz evtl. hinzukommt, die Stuhlkonsistenz hart und/oder die Ausscheidung schmerzhaft ist. Wichtig ist auch, dass das Kind deutliche Rückhaltemanöver zeigt, wie z.B. Überkreuzen der Beine oder andere Maßnahmen, damit der Stuhl nicht ausgeschieden wird. Im Enddarm sammeln sich große Stuhlmassen, dadurch ist der Stuhldurchmesser häufig sehr groß.

Ein 4 jähriger Junge berichtet mir, dass er durch „sein großes AA“ die Toilette verstopft habe.

Von der funktionellen Obstipation müssen andere Formen der Verstopfung unterschieden werden. Als erstes müssen organische Ursachen ausgeschlossen werden (s. Tabelle am Ende des Artikels!).                    Es gibt aber auch das Toilettenvermeidungssyndrom/Toilettenverweigerungssyndrom, bei dem Kinder die Toilette zum Wasserlassen verwenden, aber bei der Defäkation auf eine Windel bestehen. Dieses Vermeidungsverhalten kann durch Angst entstehen und steht teilweise mit der Verstopfung in Zusammenhang.  

Bei der Toilettenphobie, bei der als isolierte Phobie eine Angst vor der Benutzung der Toilette besteht, wird das Urinieren und Stuhlabsetzen auf der Toilette komplett verweigert. Diese Kinder haben Angst davor, dass sie in die Toilette fallen oder vor Ungeheuern in der Toilette. Auch hierbei können Stuhlinkontinenz und/oder Obstipation vorkommen.

Die Ursache (Pathogenese) der funktionellen chronischen Obstipation unterscheidet sich bei den Betroffenen und wird wahrscheinlich durch verschiedene Dinge verursacht, wie:

  • Konstitutionelle (u.a. körperlicher Aufbau) und genetische Faktoren,
  • Lifestyle (Bewegung, Ernährung),
  • psychologische Faktoren

Familiäre Häufungen könnten auch durch Umweltfaktoren wie Lebensstil und Ernährung bedingt sein. Für die ursächliche Rolle einer ballaststoffarmen Ernährung oder verminderten Flüssigkeitszufuhr als Ursache der chronischen Obstipation gibt es keine wissenschaftliche Beweise, auch wenn dies allgemein angenommen wird.

Die Rolle der Darmflora (Mikrobiom) als Ursache einer Verstopfung ist noch unklar, zumal Veränderungen des Mikrobioms bei verzögerter Entleerung immer auch Folge und nicht Ursache der Obstipation sein können.

Häufig entsteht bei Kleinkindern eine funktionelle Verstopfung, dieses lässt sich so erklären:

Kleinkinder haben irgendwann eine beginnende Kontrolle über den Schließmuskel. Erleben sie in der Phase ein unangenehmes Erlebnis im Rahmen der Stuhlentleerung, so kann durch dieses Erlebnis eine Irritation entstehen. In der Folge kommt es zu einer paradoxen Anspannung der willkürlichen Schließmuskel während der Stuhlausscheidung mit den Folgen einer erschwerten Entleerung und erneuten Schmerzen. Dadurch kommt es wieder zum Zurückhalten des Stuhls und endet in einem Teufelskreis. Es entsteht ein falsches Zusammenspiel von Bauchpresse und Schließmuskel, der zusammengekniffen wird, statt sich zu entspannen. Eltern erzählen von den außergewöhnlichsten Ritualen ihrer Kinder bei dem Versuch den Stuhl zu entleeren, wie Entleerung im Stehen, Überkreuzen der Beine, auf den Bauch legen usw.. Der Enddarm kann sich gut weiten, somit fällt eine unzureichende Darmentleerung zunächst gar nicht auf. Im Enddarm verhärtet sich der Stuhl, die Ausscheidung wird dadurch weiter verkompliziert.

Bleib gespannt, welche Möglichkeiten es für die Diagnostik gibt.  Und klar, ein Artikel wird sich mit der Therapie befassen. Schau also bald einmal wieder in den Blog!

Wenn dir der Artikel gefällt, so findest du in den vielleicht auch Gefallen an den anderen Beiträgen. Alles darf gerne geteilt werden. Auch freue ich mich über Kommentare!

Neurologische und neuromuskuläre StörungenErkrankungen des Anorektums
o Zerebralparese, insbesondere bei Spastik o Muskelhypotonie, muskuläre Störungen o Muskelatrophien oder – dystrophien mit generalisierter Hypotonie o Erkrankungen der Wirbelsäule und des Rückenmarks o Spina bifida mit oder ohne Myelomeningozele o Anteriore sakrale Meningozele (Currarino – Sy.) o Tumoren der Wirbelsäule o Querschnittslähmungen, Trauma o Tethered Cord o Myelodysplasieo M. Hirschsprung (auch nach operativer Korrektur) o Intestinale Neuronale Dysplasie o Anorektale Malformation (auch nach Operation) o Analstenose; ventral verlagerter Anus („Analdystopie) o Anale Achalasie (fehlende Sphinkterrelaxation bei normalen Ganglienzellen des Parasympathicus) o M. Crohn des Anus mit entzündlicher Rektum- bzw. Analstenose o Analfissuren, perianale Dermatitis (infolge Streptokokkeninfektion, Lichen sclerosus, Psoriasis)
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o Opiate, Codein o Anticholinergika o Calciumkanalblocker   o Phenytoin o Methylphenidat o Antidepressiva  o Antipsychotika o Chemotherapeutika o Bleivergiftung o Vitamin D-Intoxikation o Aluminiumhaltige Antazida o Botulismuso Übermäßiger Kuhmilchkonsum o Übermäßiger exklusiver Konsum von ballaststoffarmen Convenienceprodukten o Absoluter Bewegungsmangel

Quelle: S2k-Leitlinie Funktionelle (nicht-organische) Obstipation und Stuhlinkontinenz im Kindes- und Jugendalter Microsoft Word – LL Obstipation Inkontinenz Kinder S2k final 04042022.docx

Das Bild wurde mit ChatGPT erstellt

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