Wissenschaft und Medizin – leicht erklärt!

Allergie auf Kuhmilch

CategorIes: Erkrankungen in Bezug auf Ernährung

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Bei der Allergie auf Kuhmilch handelt sich um eine Nahrungsmittel-Allergie, bei denen es zu immunologischen Reaktionsmechanismen kommt.

Man kann Immunglobulin E (IgE) vermittelte (Kuhmilchallergie oder KMA) von nicht-IgE-vermittelten (Kuhmilchproteinintoleranz oder KMPI) Reaktionen unterscheiden. Was das bedeutet, erkläre ich.

Wichtig sind die Auslöser!

Oral aufgenommene Fremdantigene werden normalerweise infolge einer intakten gastrointestinalen Barriere inklusive der lokalen Immunabwehr toleriert und führen nur in Ausnahmefällen zu lokalen und systemischen pathologischen Immunreaktionen. Ein aufwendiger Prozess unter Beteiligung vieler unterschiedlicher Zellen und Organsysteme ermöglicht uns eine Toleranzentwicklung. Liegt aber eine genetische Veränderung vor, dann wird diese Toleranz nicht entwickelt und als Fremdantigen eingestuft. Erneut setzt ein aufwendiger Mechanismus ein, der den „Eindringling“ unschädlich machen soll.

Das Bild zeigt, wie Komplex der Vorgang bei einer IgE-vermittelten Allergie abläuft.

Mehr Informationen erhaltet ihr hier: https://allergie-experten.de/patienten-service/ratgeber/kapitel-1

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Risiken für nicht-IgE-vermittelte Reaktionen sind fehlendes Stillen, Zufüttern in der Geburtsklinik und danach ausschließliches Stillen und vorausgegangene gastrointestinale Infektionen. Das Immunsystem reagiert auf ganz bestimmte Eiweiße in der Nahrung aber ohne Bildung von Antikörpern der Klasse E (= Immunglobulin E oder IgE), wie es oben beschreiben worden ist.

Welche Symptome entwickeln sich?

Meistens sind Säuglinge und Kleinkinder betroffen.

50 – 70% der Kinder zeigen eine Hautmanifestation. Innerhalb von Stunden, manchmal aber auch erst nach Tagen bis Wochen kann ein Ekzem oder juckender Hautausschlag entstehen (Urtikaria).

Bei 50 – 60% können gastrointestinale Beschwerden wie Durchfall und Erbrechen auftreten. Die Kinder nehmen ggf. schlecht zu. Einige Säuglinge setzen blutig-schleimigen Durchfall ab, haben gelegentliche Bauchschmerzen, wirken ansonsten aber gesund. Diese Symptome treten nach Tagen bis Wochen nach Milchgenuss auf.

20 – 30 % der Betroffenen entwickeln Beschwerden, wie wiederkehrender Schnupfen, Luftnot, Husten bis hin zu einem Asthmaanfall. Diese Beschwerden treten innerhalb von Minuten bis Stunden nach dem Milchgenuss auf.

5 – 9% der Betroffenen reagieren innerhalb von Minuten mit Lippenschwellung, Laryngospasmus (krampfartiger Reflex, der zum Verschluss der Stimmritze und damit zur Luftnot führt), Urtikaria, Erbrechen, Durchfall, Asthma, bis hin zum Schock.

Wie wird die richtige Diagnose gestellt?

Bei der Vielfalt der Symptome und Krankheitsbilder wird deutlich, dass es nicht einen einzelnen sicheren diagnostischen Test geben kann! Entscheidend sind eine detaillierte Anamnese und die Reaktion auf Meidung  und anschließende Provokation (erneute Milchgabe).

Bei heftigen Sofortreaktionen genügt die Anamnese, eine Provokationen darf nicht oder nur unter intensivmedizinischen Bedingungen durchgeführt werden.

Die früher übliche Bestimmung der IgG-Antikörper gegen Kuhmilchproteine im Blut ist bei jungen Säuglingen nicht sinnvoll und sollte deshalb nicht durchgeführt werden.

Hauttestungen sind meist nicht hilfreich.

Eliminationsdiät- was ist das?

Bei begründetem Verdacht und relevanten Symptomen sollte eine diagnostische Eliminationsdiät durchgeführt werden, d. h. dass Kuhmilchprodukte und andere starke Allergene Säuglingsnahrung auf Sojabasis oder von anderen Tieren wie Ziegenmilch, Stutenmilch etc. konsequent gemieden werden müssen.

Auf einigen Seiten im Internet findet man, dass Milch von anderen Tieren verabreicht werden darf.  Das ist definitiv falsch, da die Zusammensetzung der Proteine in dieser Milch denen der Kuh gleicht und somit auch als „Feind“ angesehen werden kann.

Bei gestillten Kindern kann zunächst der Versuch einer Eliminationsdiät der Mutter (keine Milch und Milchprodukte, ggf. Ausschluss weiterer häufiger Allergene) für 14 Tage versucht werden.

Es gibt ganz spezielle Nahrungen für Säuglinge, die man in der Zeit der Diät verabreichen kann.

Diese dürfen rezeptiert werden. Ohnehin sollte bei dringendem Verdacht auf eine Nahrungsmittelallergie der Kinderarzt aufgesucht werden, denn natürlich gibt es zahlreiche andere Diagnosen, die die Beschwerden auslösen könnten.

Bestätigt sich die Nahrungsmittelallergie auf Kuhmilch, so müssen ALLE Milchprodukte gemieden werden. Auch Milch in verarbeiteter Form (z.B. Kuchen, Kekse usw.) darf in der Regel nicht verzehrt werden. Auch dafür gibt es entsprechende Therapieregime, die mit dem Kinderarzt/der Fachärztin oder dem Facharzt/ der Fachärztin für päd. Gastroenterologie oder päd. Allergologie besprochen werden müssen.

Quellen:

Kuhmilchallergie bei Kindern und Jugendlichen – Pädiatrie – eMedpedia | springermedizin.de

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